Big Data revolutioniert die Automobilindustrie

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Straßen, in denen Autos nur noch selten an der Ampel stehen, weil das Fahrzeug die optimale Geschwindigkeit für Grünphasen errechnet, sind bald keine Zukunftsmusik mehr. Vernetzte Autos, die Daten senden, empfangen und verarbeiten können, sind in wenigen Jahren Norm statt Ausnahme. Doch die intelligenten Kommunikationssysteme im Auto bringen nicht nur den Fahrern Vorteile. Hersteller, Händler und Servicepartner sollten die neuen Informationsmöglichkeiten schon in der Einführungsphase nutzen, um Potenziale in Marketing und Vertrieb sowie After Sales (Services) zu nutzen. Bain & Company zeigt die ersten Schritte auf dem Weg in diese digitale Autowelt.

Telematik in der Automobilindustrie: Eine Innovation wird Standard

2015 wird ein Meilenstein für das vernetzte Auto. Dann müssen europaweit alle Neuwagen mit eCall ausgestattet werden. Das Notrufsystem für Kraftfahrzeuge meldet per Mobilfunk und GPS einen Unfall automatisch an die 112. Das bringt den Durchbruch für Telematik im Neuwagen: Bis 2020 werden voraussichtlich 90 Millionen vernetzte Autos in Europa verkauft.

Stärkere Kundenorientierung durch mehr Wissen

Die vernetzten Fahrzeuge können nicht nur Notfälle melden, sondern dem Erstausrüster (Original Equipment Manufacturer, OEM) auch regelmäßig wertvolle Kundendaten liefern, zum Beispiel über Fahrverhalten, Verschleißzustände und Kraftstoffverbrauch. Dieses Wissen ist kostbar, denn kombiniert mit Händlerdaten, Kundenfeedback, Social-Media-Beiträgen und Trendanalysen liefert es konkrete Hinweise für die Verbesserung des Produkts selbst sowie ergänzender Dienstleistungen. So kann der Fahrer beispielsweise über Multimediasysteme mit situationsrelevanten Informationen versorgt werden, etwa zu Staus oder benzinsparender Fahrweise – ein echter Mehrwert für den Autofahrer und Differenzierungsmerkmal für den Hersteller. Ebenso profitieren Handel und Service: Erhält der Fahrer einen Hinweis zur Fälligkeit der nächsten Hauptuntersuchung mit Adresse der nächstgelegenen Markenwerkstatt, wird die Kundenbindung weiter gefördert.

Zügig erste Schritte einleiten, um Marktchancen zu nutzen

Bisher arbeiten viele Autohersteller erst an Teillösungen, was auch sinnvoll ist. Schließlich ist das ganz große Big-Data-Projekt hier im Gegensatz zu anderen IT-nahen Branchen äußerst langwierig. In dieser Zeit könnten wichtige Marktanteile verloren gehen. Daher gilt es jetzt, erste Anwendungen zügig umzusetzen, dabei aber die vielfältigen Geschäftspotenziale im Blick zu haben. Zunächst können Social-Media-Informationen mit traditionellen CRM- und Verkaufsdaten verknüpft werden. Damit lassen sich differenzierte Kundensegmente bilden, die das Marketing gezielt ansprechen kann. Gleichzeitig wird die Entwicklungsabteilung auf diese Daten Zugriff haben, um daraus Kundenanforderungen abzuleiten.

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