
Automobilzulieferer in Not
02.02.2009 - München. Bis Ende 2009 wird die globale Automobilproduktion gegenüber 2007 um elf Millionen Einheiten einbrechen. Das entspricht etwa 65 Prozent des westeuropäischen Marktes und übertrifft die Auswirkungen der vergangen beiden Ölkrisen. Das Produktionsvolumen der Autobauer wird frühestens 2012 wieder das Niveau des Jahres 2007 erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Bain & Company.
Die Automobilindustrie ist am Beginn einer tiefen Rezession. Viele Unternehmen haben mit ersten Maßnahmen – vor allem kurzfristigen Kosteneinsparungen – reagiert. Die aktuelle Studie der Unternehmensberatung Bain & Company zeigt jetzt, dass das Ausmaß des Nachfrage- und damit Produktionsrückgangs weit größer ist als bisher angenommen.
Dieses alarmierende Ergebnis beschleunigt den strukturellen Handlungsbedarf der Automobilzulieferer. Denn bis zur Erholungsphase, die Bain ab 2010 sieht, wird sich der Markt komplett verändert haben. „Die aufgebauten Kapazitäten in den bisherigen Hoffnungsmärkten sind zum Teil obsolet. Der Trend hin zu kleineren und teilweise auch elektrisch betriebenen Fahrzeugen wird sich weiter verstärken. Hinzu kommt der zukünftig überproportionale Bedarf an echten Low-Cost-Lösungen für die Schwellenmärkte“, prognostiziert Dr. Gregor Matthies, Partner und Automobilexperte von Bain & Company.
Damit steht der gesamten Branche ein massiver Strukturwandel bevor. Um die immensen Herausforderungen der Krise nicht nur zu meistern, sondern diese auch als Chance zu nutzen, müssen die Automobilzulieferer jetzt sowohl kurz- als auch langfristige Maßnahmen ergreifen. Denn Bain-Analysen zeigen auch, dass der Anteil von Unternehmen, die sich in Rezessionszeiten erfolgreich für nachhaltiges Umsatz- und Renditewachstum in der Zukunft positionieren, um mehr als 20 Prozent höher ist als in Wachstumsphasen. Nachhaltige und schnell umgesetzte strukturelle Anpassungen des Geschäftsmodells werden also in Krisenzeiten umso höher belohnt.
Für Zulieferer bedeutet das in der derzeitigen Situation zweierlei: Erstens die Fokussierung auf die Erzielung kurzfristiger Ergebnis- und Cash-Effekte, d.h. die Zulieferer müssen zunächst Optimierungspotenziale im Einkauf und in der Gemeinkostenstruktur aufspüren und realisieren. Zweitens müssen die Zulieferer ihre Produktionskapazitäten anpassen und flexibilisieren, ihre Entwicklung auf die wichtigsten Projekte und Lösungen fokussieren und ihr Cash-Management optimieren, um möglichen Liquiditätsengpässen aktiv entgegenzuwirken.
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