
Subprime-Krise löst Fusionswelle bei deutschen Banken aus
04.02.2008 - München/Frankfurt. Die globale Finanzkrise wird in Deutschland zu einer weiteren Konsolidierung in der Bankenbranche führen. Die Unternehmensberatung Bain & Company erwartet neben Kostensenkungsmaßnahmen bei allen Banken weitere Fusionen – insbesondere bei kleinen und mittleren Instituten.
Nach Einschätzung der Unternehmungsberatung Bain & Company wird die derzeit anhaltende Finanzkrise noch bis mindestens 2009 andauern. Von ihren negativen Auswirkungen werden auch die deutschen Banken nicht verschont bleiben. Nachdem die Branche, bedingt durch den Niedergang der New Economy, von 2001 bis 2007 ihre Kostenbasis bereits um sieben Prozent senken konnte, ist nun eine neue Welle von Einsparmaßnahmen unausweichlich. Im Vordergrund werden aber künftig nicht nur simple Kostenkürzungen stehen, sondern umfassende System- und Strukturveränderungen. Besonders kleinere und mittlere Institute mit einer Bilanzsumme von weniger als zehn Milliarden Euro, einem geringen operativen Ergebnis und niedriger Risikotragfähigkeit werden 2008 in ihrer Existenz bedroht, sofern sie Investitionen in forderungsbesicherte Wertpapiere (CDO) getätigt haben.
Allein im laufenden Jahr stehen für ein Volumen von 296 Milliarden US-Dollar Immobilienkredite in den USA Anpassungen der variablen Zinsen an, die zu weiteren Eruptionen an den Kapitalmärkten führen werden. Es wird erwartet, dass der durchschnittliche Zinssatz von rund sieben Prozent auf rund 9,5 Prozent steigen wird. Folglich geraten bonitätsschwache US-Haushalte durch zunehmende Zahlungsschwierigkeiten weiter unter Druck. Mittlerweile gelten bereits fünf Prozent aller US-Hypothekenkredite und 15 Prozent aller Subprime-Hypothekenkredite als zahlungs-gestört. „Aufgrund des amerikanischen Bonitätssystems werden weitere Befürchtungen laut, denn die Zahlungsstörungen drohen sich auch auf Autofinanzierungs- und Kreditkartenforderungssysteme zu übertragen“, erklärt Dr. Dirk Vater, Partner und Bankenexperte bei Bain & Company.
So sind seit dem Jahr 2000 die Subprime-Autokredite in den USA mit sieben Prozent pro Jahr deutlicher gewachsen, als das Prime-Segment mit drei Prozent im selben Zeitraum. Bedenklich stimmt, dass die verbrieften Subprime-Kredite hoch riskante Produkte beinhalten. Beispielsweise liegt der Anteil von Gebrauchtwagen als Sicherheitsgarantie bei über 70 Prozent und steigt seit 2002 jährlich um 13 Prozent stark an. Auch der Anteil von Verträgen mit einer Laufzeit von über 60 Monaten beträgt 70 Prozent und steigert sich seit 2002 um 36 Prozent pro Jahr.
Noch prekärer gestaltet sich in den USA die Lage im Bereich der Kreditkartenforderungen. Allein zwischen 1990 und 2007 schwoll der Bestand von 200 Milliarden US-Dollar auf insgesamt 900 Milliarden US-Dollar an. Ungefähr ein Drittel der US-Haushalte im niedrigsten Einkommens-Quintil besitzt mindestens eine Kreditkarte. Hier baut sich bereits eine neue Drohkulisse auf: Es besteht nicht nur eine ähnlich hohe Gefahr von Ausfallraten wie bei Hypothekenkrediten – im Oktober 2007 lag sie bereits bei 5,1 Prozent – darüber hinaus existieren kaum Sicherheiten, die das Risiko abdecken.
„Das Fortschreiten der Finanzkrise wird weitere Opfer fordern und ihr Höhepunkt ist womöglich noch nicht überschritten“, so Vater. In den vergangenen Monaten mussten die Finanzinstitute bereits 75 Milliarden US-Dollar abschreiben – weitere Verluste in dreistelliger Milliardenhöhe werden für 2008 bereits antizipiert. Die Investmentbank JP Morgan schätzt mittlerweile den Betrag der laufenden Abschreibungen auf 200 Milliarden US-Dollar und auch Goldman Sachs bereitet sich auf Ausfälle von bis zu 108 Milliarden US-Dollar vor.
Darüber hinaus drohen dem Kapitalmarkt zusätzliche Verwerfungen durch weitere Herabstufungen von Bondversicherern (Monolinern) wie Ambac und MBIA. Dann wäre eine Abwertung der durch diese Versicherer abgesicherten Wertpapiere unvermeidlich. „Solche neuerlichen Druckwellen werden selbst den großen Banken stark zusetzen, sie könnten zu stark sein für manches kleine und mittlere Institut“, schließt Vater.
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