
Bain & Company sieht Kurswechsel bei IT-Outsourcing
17.09.2007 - München/Frankfurt. Im IT-Outsourcing zeichnet sich laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Bain & Company eine stärker werdende Tendenz zur Spezialisierung ab: Statt großer Megadeals mit einem IT-Service-Provider abzuschließen, greifen die Unternehmen verstärkt auf verschiedene spezialisierte Anbieter mit unterschiedlichen Rollen zurück, die neben Indien immer häufiger von Russland aus operieren. Dadurch sehen sich die Unternehmen einer neuen Herausforderung gegenüber: selektivem Outsourcing. Es verlangt mehr Managementfokus, verspricht aber auch mehr Erfolg und vor allem Flexibilität.
Mit dem so genannten selektiven Outsourcing versuchen Unternehmen, die Effizienz und die Effektivität ihrer IT-Strukturen zu verbessern. Entsprechend hat sich zwischen 2004 und 2006 die Zahl der Großabschlüsse, d. h. Abschlüsse mit einem Volumen von mehr als 800 Millionen Euro, in Nordamerika und Europa um mehr als 34 Prozent reduziert. Das ergaben Umfragen bei IT-Managern in mehr als 1.000 Unternehmen. „Es gibt einen klaren Trend zum selektiven Outsourcing“ fasst Dr. Thomas Gumsheimer, verantwortlicher Partner bei Bain & Company, die Analyseergebnisse zusammen. Hierbei werden nur ausgewählte Prozesse oder Aufgaben ausgegliedert und die Vertragslaufzeiten verkürzt. Das steigert die Ergebnisqualität und die Reaktionsfähigkeit des auslagernden Unternehmens und verspricht deshalb deutlich mehr Erfolg. Die Untersuchungen zeigen, dass selektives Outsourcing in puncto Kostenreduktion, Flexibilität und Serviceniveau um etwa 40 Prozent erfolgreicher als das klassische, ganzheitliche Outsourcing und die Misserfolgsquote 15 Prozent niedriger ist.
Den Strategiewechsel gut vorbereiten
Selektives Outsourcing fordert die Weitsicht der Manager. „Das professionelle Sourcing-Management muss zur Chefsache gemacht werden, um von höchster Stelle aus den vielfältigen Outsourcing-Optionen Gewicht zu verleihen und die IT-Dienstleister entsprechend zu steuern“, betont Gumsheimer. Entscheidend ist neben der Wahl des richtigen Outsourcing-Partners, die präzise abgestimmte Aufgabenteilung zwischen dem auslagernden Unternehmen und dem IT-Service-Provider. Neben Indien, das weiterhin Qualitätsführer bleibt, gewinnen Länder wie Brasilien, Südafrika und China für Offshoring-Aktivitäten zunehmend an Bedeutung.
Neuer Player Russland
Im so genannten Nearshoring, was aus zentraleuropäischer Sicht die Auslagerung in osteuropäische Länder bedeutet, hat sich Russland bemerkenswert hervorgetan. Alternativ zu Indien bietet Russland aufgrund seiner geopolitischen Lage und des Anteils kompetenter IT-Dienstleister neue Kooperationsmöglichkeiten. Experten erwarten, dass sich der russische IT-Outsourcing-Markt (ITO) von momentan einer Milliarde auf 2,7 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2009 mehr als verdoppeln wird. Bereits jetzt stellt Russland mit circa 15 großen, auf ITO und BPO (Business Process Outsourcing) spezialisierten Dienstleistungsunternehmen einen interessanten Markt für namhafte Unternehmen, wie SAP, Microsoft, IBM, Deutsche Bank oder die Londoner Börse dar. Die vier größten russischen IT-Dienstleister EPAM, Luxoft, IBA IT Group und Exigen beschäftigen heute zusammen bereits gut 10.000 Mitarbeiter. Tendenz steigend. „Diese Firmen stehen für einen neuen Unternehmergeist, der über die letzten Jahre in Russland herangewachsen ist“, beschreibt Bain-Experte Gumsheimer die Situation in Russland.
Ein wohl überlegter Mix aus Off- und Nearshoring ermöglicht es, die Schwächen des klassischen Outsourcings zu überwinden und mit einer selektiven, auf die Bedürfnisse des Unternehmens abgestimmten Outsourcing-Strategie den Anforderungen hinsichtlich Kosten, Flexibilität und Service gerecht zu werden.
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